Langsam wird die Sache mit dem Wasser mühsam. Auch heute haben wir immer noch kein fliessendes Wasser, weder oben in der Wohnung, noch unten im Hof. Duschen kann ich mich zwar noch mit dem Eimer, doch für die Klospülung reicht’s dann nicht mehr. Ich mampfe anschliessend am Stubentisch mein letztet Brot vom Donnerstag mit Tartina, welches danach dann auch aus ist.
Etwas später schaut Clémante vorbei, unsere Vermieterin, um ein Papier zur Wohnungsübergabe, d.h. wo der Wohnungszustand schriftlich festgehalten ist, von uns unterschreiben abzuholen. Sie hatte uns dies bereits vor einer Woche ausgehändigt und wir haben es in der Zwischenzeit gelesen, kontrolliert und unsere Bemerkungen dazu notiert. Es sind Kleinigkeiten, die wir geändert haben möchten, die aber dennoch, will man den Zustand der Wohnung adäquat beschreiben, abzuändern sind. Kein Problem, sagt sie und wir ändern die Sachen von Hand und unterschreiben dann. Anschliessend hilft sie uns noch, Wasser zu besorgen. Dazu beauftragt sie ihren jüngeren Cousin, mich mit an den Brunnen unten im Tälchen mitzunehmen und mir zu helfen, dort Wasser zu schöpfen.
Eigentlich gefällt mir die ganze Sache sehr gut. So komm ich endlich einmal in diese Zone, in die ich mich sonst weniger gewagt hätte - nicht aus Angst, sondern aus Respekt vor der Leuten, in dessen Gärten und Wohnungen ich sonst versehentlich hineingetreten wäre. Also steigen wir zu zweit hinunter, einen etwas glitschigen, steilen und kurvenreichen Weg, der aber bald an ein Ende kommt. Hier füllt mir mein Nachbar den Eimer mit Wasser, bevor er sein Gefäss ebenfalls in den Brunnen taucht. Beim Hochgehen oder besser Hochklettern trägt er das Wasser auf dem Kopf, was schon ziemlich beeindruckend ist. Da ich ein Tuch für zwischen Kopf und Eimer vergessen hatte, trage ich den Eimer seitlich, was aber sehr anstrengend ist, da es doch steil hoch geht. Beim zweiten Mal habe ich mir ein Tuch geholt und Lena ist nun auch dabei mit einem kleineren Gefäss. Wir sind schon eine ziemliche Attraktion: Zwei Weisse, die da vom Wasserloch hoch kommend Wasser auf dem Kopf tragen und sich dabei die ganze Zeit mit Wasser übergiessen. Aber so viel haben wir am Ende gar nicht verschüttet.
Zum Mittagessen macht Lena uns Pfannkuchen, ich uns einen Couscous mit Zwiebeln und Avocado, an Öl und Zitronensaft, gewürzt mit Salz, Pfeffer und etwas Thymian. Die noch dastehende Bratpfanne bringt mich auf die Idee, den Couscous noch wie eine Rösti anzubraten. Tatsächlich hält der „Teig“ ganz gut zusammen und es gibt auch eine nette Kruste. Schmeckt echt lecker.
Es folgt ein Sudoku von Lena, Schreiben des gestrigen Tages, Einlegen meiner und Lenas Wäsche im Eimer mit kaltem Seifenwasser und etwas Surfen auf dem Netz. Die Zeit vergeht rasant. Schon ist’s nach vier Uhr und wir beide machen uns ready für einen Besuch bei Jutta . Zwei andere Deutsche, Marco und Jessica sollen neben Hanna und Marie an der Tankstelle bei Mobil Guinness auf uns stossen. Macht sechs Personen, die sich dann gemeinsam in ein Taxi nach Bonapriso/New Bell quetschen. Dort angekommen finden wir auch gleich eine kleine Boutique, die uns hilft, unseren Anteil fürs Abendessen, etwas Getränke, aufzutreiben.
Es wird ein ganz gemütlicher Abend, mit feinem Essen, fast alles vegetarisch, bis auf die Linsensuppe am Anfang. Da hatte sich Jutta wirklich ziemlich ins Zeug gelegt. Auch die Gespräche sind sehr unterhaltsam und immer wieder mal wechselt man die Sprache: Des Deutschen, des Französischen und zwischendurch auch noch des Englischen bedient man sich, um auszutauschen, was man hier so macht, was man alles schon so erlebt habt und was die Pläne, Ziele und Visionen sind. Es ist etwa halb zehn als wir uns von Jutta verabschieden und uns wieder auf den Weg machen - ich mit Lena, Marco und Jessica mit einem Taxi Depot für 2’000 CFA.