Samstag, 10. September 2011

Dienstag, 30. August 2011

Ich bin schon ziemlich früh wach. Etwa um halb acht komme ich in die Stube und geniesse den Klang des Regens. Lena ist noch nirgends zu sehen. So nehm‘ ich alleine Frühstück, erneut wieder einmal Baguette, Butter und Tartine. Zum Magenfutter gibt‘s gleich noch etwas Gehirnfutter, ein kleines rotes Büchlein von einer deutschen Mission zu Kamerun. Es hat sehr gute Artikel drin, ist äusserst aktuell (Edition 2010) und wurde uns von einem Vorgänger oder einer Vorgängerin von Lena dagelassen. Darin lese ich etwas zur neueren politischen Geschichte auf dem Balkon. Irgend einmal taucht dann Lena auf. Wir plaudern etwas und planen den kommenden Tag. Es ist bereits bald schon Mittag als wir endlich nach Akwa aufbrechen. Wir wollen ein Bügeleisen, Brot und weitere Nahrungsmittel einkaufen gehen.
Heute sind die Strassen sonderbar unbelebt. Im Vergleich zu unseren Strassen zwar immer noch sehr viel Hektik und Radau, jedoch kein Vergleich zu dem, was letzte Woche war. Grund ist das Ende des Ramadans. Heute ist offiziell letzter Tag und hier in Kamerun deshalb ein Feiertag. Gestern war auch frei, sozusagen Brücke.
Sehr schnell sitzen wir in einem Taxi, welches uns direkt nach Zepol bringt. Dort kaufen wir Brot und Vanille-Berliner ein. Letztere sind ziemlich schnell wieder Geschichte. Nun kurz zu Arno, Supermarkt mit grosser Auswahl, doch uns zu teuer. Also noch etwas weiter, vorbei am Palace-Hotel, wo wir auf unseren Nachbarn treffen, welcher im gleichen Haus in der unteren Wohnung wohnt. Schliesslich gelangen wir an eine Kreuzung wo ich zum ersten Mal Ampeln sehe. Die Autos scheinen sich daran zu halten. Für die Fussgänger hat es auch rote und grüne Männchen, doch bin ich mir nicht sicher, ob die auch wirklich noch richtig funktionieren. Andere jedenfalls kümmern sich nicht wirklich um die farbigen Figuren sonder vertrauen viel eher ihren genauen Blicken und gehen, sobald es irgend möglich ist.
Bei dieser grösseren Kreuzung links abbiegend kommen wir auf der rechten Strassenseite zum Mahima, wo ich auch schon mal mit den Moukouris war. Wir vertrödeln ziemlich viel Zeit da drin. Ich bin halt auch einfach sehr neugierig zu sehen, was hier alles erhältlich ist an Produkten. Wir kaufen uns ein Dampfbügeleisen Marke Moulinex, hergestellt in China. Ich hoffe, das hält ein Jahr. Kostenpunkt 14500 CFA, also etwa 29 CHF, und liegt damit hier im mittleren Preissegment. Philipps hätt‘s auch noch gehabt, die aber deutlich teurer, wohl aber auch deutlich besser in der Qualität. Ansonsten sind alle Haushaltartikel wie Besen, Lappen, Bettbezüge etc. in eher mässiger bis schlechter Qualität erhältlich. Eine Handbürste, die ich gekauft habe, hat einen Haltestiel, welcher immer wieder herausfällt und Borsten, die die ganze Zeit verloren gehen, weil sie nicht gut fixiert wurden.
Nach dem Besuch in Mahima gehen Lena und ich getrennte Wege. Sie geht zu den anderen zwei und ich nochmals in Mahima, einfach um mir nochmals etwas Zeit zu geben, die Produkte zu studieren. Schliesslich kaufe ich mir einen spottbilligen Essig, nicht zum Konsumieren, sondern zum Putzen. Und noch ein Chilipaste, die wirklich sehr, sehr scharf ist, sowie etwas Chips.
Mir kommt der Gedanke, vielleicht mit meinem Nachbarn heimfahren zu können. Tatsächlich treffe ich vor dem Palace seine Arbeitskollegen, die alle damit beschäftigt sind, Geld zu wechseln. Aber er ist gerade nicht da. Nach etwas plaudern nehm ich mir ein Taxi. Mir wurde gesagt, zuerst zur „Ecole publique“ zu fahren und von dort aus ein Taxi nach „Ndogbong fin goudron“ zu suchen. Gesagt, getan. War ziemlich unkompliziert. Als ich am „Fin goudron“ ankam und dem Taximann einen Fünfhunderter in die Hand drückte, machte er sich sogar die Mühe, mit Hilfe der anderen Insassen mir das Wechselgeld für zweihundert herausgeben zu können.
Im Taxi kam noch ein Anruf von Michaël, sprich „Miguel“. Nachdem ich in von zu Hause aus nochmals anrief kam er schliesslich auf einen kurzen Besuch vorbei. Dabei erklärte er mir das kamerunische Schulsystem und zeigte mir auf der Karte, wo die Schule in New Bell liegt. 
Gerade als ich ihn verabschieden will kommt Lena nach Hause. Sie meint, dass wir morgen um sieben bei den anderen zwei sein sollten, damit wir dann sicher vor acht an die Schule gelangen. Es folgt ein gemütlicher Abend, bei welchem Lena sich noch einen Film reinzieht und ich erste Vorbereitungen auf dem Mac für den Unterricht mache: Dateisystem anlegen, Vorlagen für Dateiablage erstellen und Start mit Übersetzung des Kapitels „Primzahlen und Teilbarkeit“, dem Lektionsthema am Anfand des Schuljahres für die 6e (erste Oberstufe). Zuletzt noch heute und gestern notiert.