Eigentlich wollten wir heute mit Herr Tagne an die Schule. Gestern noch hatten wir uns auf eine gemeinsame Fahrt ab Mobil Guinness, spätestens ab 7 Uhr, geeinigt. Leider ist heute morgen so intensiver Regen, dass wir nicht vor viertel vor sieben aus dem Haus können. Und dann geht’s bis zu unserer Zwischenstation auch kaum vorwärts, weil Stau. Als wir angekommen sind, hat uns Hanna bereits telefonisch vorher mitgeteilt, dass sie mit den beiden Töchtern von Herr Tagne an die Schule mitging. Wir dagegen kommen und kommen nicht weg. Weder nach Photo Golden, noch nach Ancienne Etage. Schliesslich, wohl eine Stunde später, ändern wir die Strategie und wählen Akwa, Zepol als Zwischenziel. Dann gehts auch plötzlich ganz schnell.
Im Zentrum, also in Akwa, kaufen wir bei Zepol unser Brot ein. Ausserdem will Lena noch Geld abheben gehen, um damit die Installation von Strom- und Wasserzähler für unsere Wohnung bezahlen zu können. Nun noch einmal Taxi bis Photo Golden sowie Töff bis zur Schule. Letzteres wegen dem abgehobenen Geld, welches wir dort dem einen Schulangestellten übergeben, der sich um die Sache kümmern wird.
Wieder erste Anlaufstelle: Bibliothek. Nachdem ich im Tintin die ersten Seiten von gestern erneut gelesen habe, mache ich mich auf, bei der Informatik nach Ausdruckmöglichkeiten zu suchen. Ich habe Glück. Eine junge Frau, welche anscheinend auch Informatik unterrichten wird, ist gerade dabei einen Drucker an einem ThinkPad zu installieren. Ich helfe ihr dabei und kann dann im Gegenzug am Ende ein paar Seiten des detaillierten Stoffplans der vierten und der fünften Klassen ausdrucken. Doch da ich nicht genügen Blätter hatte geh ich nun noch runter zum einen Sekretariat, wo ich mich deswegen schon vorgestern gemeldet hatte. Hier hilft mir Priscille, die eine Sekretärin, mit der ganzen Ausdruckgeschichte, so dass ich bald all meine Seiten zusammen habe. Zuletzt schau ich noch im Direktionssekretariat vorbei, wo Désiré arbeitet. Er nützt die Gelegenheit, mit mir ein wenig Englisch sprechen zu können. Dazwischen stellt er mir noch seinen Sohn vor, welcher bei ihm ist, aber ziemlich apathisch drein schaut. Er hätte gerade Malaria, mein Désiré so ein bisschen nebenbei, im Sinne von: Das wird schon wieder.
Wieder in der Bibliothek angekommen, helfen ich und Lena der Marie, die paar Seiten Tintin zu lesen und zu verstehen. Ist wirklich nicht so einfach für Sie, da ihr Wortschatz und ihr Grammatikwissen einiges kleiner ist als das von Lena und mir.
Mittlerweile ist schon wieder halb vier und wir drei machen uns langsam aber sicher auf den Heimweg. Da Lena und Hanna heute Abend noch bei einem Deutsch-Kamerunischen Zirkel in der Stadt vorbeischauen wollen, gehen wir vorerst mal zu Hanna nach Hause. Hier gibt’s ein frühes Znacht aus kalten fritierten Kochbananen von gestern und frisch fritierten, aber matschigen Süssbananen und Reis. Auf dem Balkon, wo wir essen, ist’s ganz gemütlich, da muss man sich nicht im schmutzigen Wohnzimmer ein frisches Plätzchen suchen.
Wir plaudern noch ein wenig über die Reise, welche sie mit der EEC (Eglise Evangelique de Cameroun) und der deutschen Delegation neulich unternommen haben. Fazit: Die meisten hohen Tiere dort waren fremdgehen gewöhnt, ziemlich äzend und anbaggernd. Also alles andere als sympatische Würdenträger und Seelsorger die einem, sobald man sich schroff gewehrt hatte, nur noch wie Luft behandelten. Das zumindest waren ihre Eindrücke gewesen.
Als Marie nach Hause kommt habe ich bereits kurz mit Marie-Jeanne telefoniert und ihr zu ihrem heutigen Geburtstag gratuliert. Die drei bestellen nun ein Taxi Depot, also eines, welches sie direkt vor die gewünschte Tür bringt. Kostenpunkt daher etwa fünfmal teurer: 2500 CAF soll der Spass kosten. Doch abends ist das durchaus vernünftig, so ein Taxi.
Irgendeinmal kommt dann ihr Taxi, ich bin wieder allein unterwegs und mache einen grossen Teil meines ersten Weges zu Fuss, weil ich von Mobil Guinness um diese Uhrzeit (etwa halb acht) kaum wegkomme (sehr viele Leute, kaum Taxis, grosser Stau). Schliesslich, etwa in der Hälfte des Weges erwische ich doch noch ein Taxi welches mich für den regulären Preis von 100 CFA bis Fin Goudron bringt. Zu Hause skype ich endlich wieder mit Daniela, chatte anschliessend kurz mit Wolf und schreibe dann noch diese Zeilen.