Es geht heute ziemlich früh los. Mit Herrn Tagne habe ich verabredet, um 6:50 bei Mobil Guinness zu sein, was ich dann auch erreiche. Ich streite beim Aussteigen mit dem Taxifahrer, welchem ich für seinen Dienst 100 CFA bezahlt habe, der normale Preis. Er will aber auf jeden Fall 200, wobei er bei mir auf harten Widerstand stösst. Ich geb’ ihm noch 50 dazu, doch er will zuerst nicht locker lassen. Erst ein anderer Kameruner kann ihm zum ablassen überreden. Stress, nicht sehr angenehm, zumal die Kameruner jeweils sehr energisch und agressiv ins Diskutieren reinpreschen. Lehre daraus: Preis beim Einsteigen ins Taxi immer zu Beginn definieren. Dann hast du in der Regel keine solche Geschichten.
Ich bin noch früher bei der Tankstelle als Herr Tagne. Endlich kommt er mit zwei seiner beiden Töchter. Die dritte und jüngste ist noch nicht dabei, da sie in die sechste (d.h. für uns die erste Oberstufe) kommt und diese erst am Dienstag ihren ersten Tag haben. Zu viert finden wir bald ein Taxi, welches uns zur „Ancienne Etage“ bringt, einem anderen Ort nahe der Schule, sozusagen eine Alternative für „Photo Golden“. Das letzte Stück geht’s zu Fuss.
An der Schule ist’s dann ziemlich ernüchternd: Noch ist kein Stundenplan für mich gemacht worden, was mich etwas ärgert. Ich mache dem APM (animateur pédagogique de matière) etwas Dampf, er soll diese Geschichte mit der Vice-Principalin regeln. Irgend einmal werd’ ich zum Warten in den Salle de prof verwiesen, hier würde ich dann später den emploie de temps (Stundenplan) erhalten. Ich warte, doch nichts passiert. Willkommen in Afrika, denk ich mir. Um zumindest etwas für mich Nützliches zu tun, beginne ich mit dem Niederschreiben von Stichwörtern für die letzten paar Tage. Zu Hause will ich dann daraus die Textfassungen, also Tagebucheinträge erstellen.
Es ist wirklich bereits halb drei Uhr, als ich das Warten satt habe, mehr oder weniger die besten Tagesstunden damit verbracht habe und mich nun endlich auf den Heimweg machen möchte. An der grösseren Strasse nahe der Schule angekommen, noch einen gebratenen Maiskolben am knabbern, will ich zuerst ein Taxi nach Mobil Guinness anheuern. Nette Leute um mich herum, sowie auch ein Taxifahrer geben mir den Rat, besser zuerst ein Taxi bis Ndokoti zu finden und von dort aus dann weiter zu schauen. Geraten, getan. Ndokoti ist ein ziemlich speizieller Ort. Hier kreuzen sich etwa sechs Strasse und eine Eisenbahn. Ausserdem gibt es hier direkt am Strassenrand unzählige Marktstände und Verkäufer, die alle ihre Schuhe, Kleider, Früchte, Gemüse und was weiss ich noch alles los werden wollen. Weiter entfernt, Richtung NdogBong finden sich auch etliche kleinere und grössere Läden, in denen z.B. Lebensmittel, Metallwaren oder Elektrogeräte ihre Käufer finden sollen.
Endlich bin ich zu Hause. Der ganze Verkehr um Feierabend ist echt keine so nette Sache, als dass man sich all zu lange darin aufhalten möchte. Es stinkt, ist laut, man kommt häufig kaum vorwärts, es wird gedrängelt, gehupt und geflucht. Manche Mopeds (die eigentlichen Kleintaxis) und sogar hie und da auch Taxis, wagen ungeniert das geisterfahren, falls es mal länger nicht vorwärts gehen sollte.
Hier bei mir zu Hause geniesse ich die Ruhe und das Alleinsein. Zum Schreiben der Tage ins Tagebuch bin ich zu müde. Stattdessen starte ich Skype und prompt melden sich schon bald Kathrine und Florian. Ich zeige ihnen meine Wohnung und erzähle etwas vom Leben hier. Am Ende geben sie mir noch zwei Internetseiten an, wo ich beliebige Kinofilme streamen und damit anschauen kann. Das probiere ich auch gleich aus. Von „Cowboys vs. Aliens“, welcher in Locarne diesen Sommer Premiere hatte, schaue ich mir den ersten Teil an. Als ich damit fertig bin, meldet sich plötzlich noch Marina. Das Gespräch ist einiges kürzer als das mit Florian und Kathrine, da es für Marina doch schon ziemlich spät wird. Ich verspreche ihr, die Wohnung beim nächsten Mal zu zeigen. Nun noch zweiter Teil des gestarteten Kinofilms, anschliessend Bettreif. Morgen werd ich nicht all zu früh aufstehen. Kaum anzunehmen, dass ich meine Klassen schon kriege und diese besuchen werde, also muss ich auch nicht in aller Herrgottsfrühe da sein.