Der Morgen ist ein einziger Dauerregen. Selten hab ich‘s so intensiv und gleichzeitig lange erlebt. Erst um ein Uhr lassen die Schauer nach. Lena und ich hatten gemeinsam gemütlich das Morgenessen genommen: Dunkles Brot mit Avocado und etwas Salz. Und zum Nachtisch gleiches Brot mit Tartina.
Ich lese im Reiseführer zu Kamerun ein paar Seiten über die Geschichte Kameruns, die Zeit, als deutsche und andere Missionare hier waren. Die Bibelübersetzungen, die sie gemacht haben, sind schon ziemlich beeindruckend. Linguistisch gesehen ist dies doch eine sehr aufwändige Sache. Auch interessant ist, dass die Missionare oft in offener Feindschaft mit den deutschen staatlichen Beamten agierten. D.h. sie hatten sich wohl schnell auf die Seite der Einwohner gestellt und diese in ihrem Recht unterstützt.
Nun will ich noch meine Prepaid-Karte aufladen. Hab ich zwar gestern bei diesem Haker noch gemacht, das hat aber nicht geklappt. So hab ich mein erstes Geld in den Sand gesetzt. War allerdings auch nicht wirklich so viel. Gerade mal 1000 CAF waren‘s, was etwa 2 Fr. entspricht.
Ich mach mich also auf zu einem „Regenschirm an der Strasse“, wie Lena es nannte, um dort Orange-Kredit zu bekommen. Doch soweit komme ich gar nicht. Ich treffe Guy Bertrand, welcher mir erklärt, dass das auch beim kleinen Laden, noch vor dem Regenschirm an der Strasse, geht. Dort gibt es die wichtigsten Wasch- und Lebensmittel, ausser Brot, dafür muss man noch ein paar Meter weiter gehen. Hier beim Quartierladen treffe ich auf erste Gesichter in meiner direkten Nachbarschaft. Ich sage artig hallo und ich habe den Eindruck, dass sie mich ganz aufrichtig willkommen heissen. Das mit dem Aufladen klappt auch bestens. Diesmal kontrolliere ich noch mit einer Kreditabfrage bei Orange.
Etwas später mache ich mich auf den Weg alleine in die Stadt. Gestern noch habe ich Marie-Jeanne ein SMS geschrieben. Sie hat mich eingeladen, heute bei ihr vorbeizuschauen und mit ihr ein paar Sachen einkaufen zu gehen.
Noch bevor ich ein Taxi nach „radio equinox“ in Akwa nehmen kann, kommt mir Makarios entgegen. Ich erläutere ihm kurz meine Absicht, worauf er meint, besser vorher anrufen. Mache ich, klappt aber nicht. Nehme trotzdem ein Taxi, welches alsbald schnell gefüllt wird, alles andere Leute die ebenfalls nach Akwa wollen. Angekommen ruf ich Marie-Jeanne an. Ihr Mann, ein Kameruner, nimmt ab und weist mir den Weg zu ihrem roten Haus. Es sind nur ein paar Hundert Meter zu Fuss. Ich gelange in ihre Wohnung, wo sofort klar wird, dass hier Geld vorhanden ist: drei Laptops mit Internetzugang laufen irgendwo in einer Stube, welche reich bemöbelt ist. Ich plaudere mit ihrem Mann und erläutere meine Einkaufsliste. Modem für Internet hätte ich gerne, ausserdem noch Putzmaterial.
So geht‘s dann gemeinsam auf Einkaufstour. Mit grossem Auto, einem Off-Roader, vor welchem alle ziemlich Respekt zu haben scheinen. Die Ausfahrt wird uns übrigens von einem Portier geöffnet. Die YooMee-Verkaufstelle hat nicht mehr offen, da bereits Nachmittags um halb vier. Modem muss ich mir also ein andermal besorgen. Nun gehts noch in LeaderPrice, ziemlich europäisch anmutender Supermarkt, entsprechend auch die Preise. Ich kaufe mir ein paar Sachen zum Putzen: Wollwaschmittel, Abwaschmittel, WC-Putzmittel, Lappen, Handtücher, Abfallsäcke und Stahlwatte. Und Couscous, Gemüsebouillon, Sonnenblumenöl sowie Oliven für einen Couscous-Salat. Nach dem LeaderPrice-Besuch kaufen wir noch bei einem Marktstand direkt daneben. Etwas Gemüse und Früchte dürfen es sein, d.h. Avocados, Zitronen, Orangen, Zwiebeln, Knoblauch und Koreander. Beim Aufschreiben der Preise merke ich schon, dass hier alles viel zu überrissen ist. Die Avocado hab ich gestern etwa fünfmal billiger bekommen. Macht wohl der Standort gleich beim LeaderPrice aus. Nun noch zu Mahima, einem anderen, etwas billigerem Supermarkt. Hier bekomme ich noch einen Eimer, einen Bodenputzlappen, und -besen, ein Bäseli, ein Türvorsteher bzw. Fussmatte und ein paar Kleiderbügel. Nun hab ich das Wichtigste zusammen.
Wieder zurück im roten Haus habe ich die Möglichkeit, meine E-Mails zu checken. Ich schreibe Rebekka und Beat zurück und kontaktiere ausserdem Priscille um ihr meine Handy-Nummer geben zu können. Nach einem kurzen Apéro auf dem Dach des Hauses, von wo man eine schöne Aussicht über ganz Akwa hat und wo ich erfahre, dass Michel, Marie-Jeannes Mann der Chef von meinem Rektor ist, fahren sie mich nach Hause. Es gelingt mir nicht mehr ganz, den Rückweg sicher anzugeben. Doch ich kann mich trotzdem gut orientieren. Als wir mit Makarios Hilfe am Telefon endlich an die Stelle mit der abrupten Linkskurve gelangen, kann ich mir nun auch im Kopf den Weg von Akwa zu mir „abspeichern“. Marie-Jeanne und Michel kommen noch kurz hoch, gehen dann aber bald nach Hause, denn mittlerweile ist auch schon etwa neun Uhr.
Es folgen noch etwas Diskussionen mit Lena übers Geld und die gemeinsame Beteiligung. Scheinbar muss sie sehr auf‘s Geld und Ausgeben achten und protokolliert auch alles, was sie ausgibt, für die Organisation. Sie hat eigentlich einen guten, sparsamen Umgang und ich entscheide mich, die Ausgaben etwas ihr anzupassen und auch die Idee vom Protokollieren zu übernehmen. Heute hab ich nämlich für ihre Verhältnisse doch ziemlich viel Geld ausgegeben. Vorerst weiss ich noch nicht, wie genau mir dann die Kost von der Organisation übernommen wird. Entweder kommt jeweils jemand vorbei, oder ich kann dann einfach in ein Restaurant essen gehen. Zum Glück kommt Priscille bald und regelt das für mich.
Lena erzählt noch, dass in der Zwischenzeit noch Makarios, die anderen Frauen mit Mikaël sowie Nathalie da waren, alle gestaffelt. Nathalie ist unsere Nachbarin und hat uns freundlicherweise feines Essen gebracht, für Lena Fisch und für uns beide Gemüseeintopf, so eine Art Ratatouille. Letzteres gibt‘s jetzt noch als Abendessen, halt einfach kalt, da Gasfalsche immer noch fehlt.