Samstag, 10. September 2011

Donnerstag, 1. September 2011

Wieder an der Schule in New Bell angekommen, werde ich bald zu einem weiteren Gespräch mit dem Principal eingeladen. Heute habe ich die Verträge von DM dabei, die er unterschreiben soll. Ich lasse die Verträge bis zur Unterschrift bei ihm, da es doch ziemlich viel Text ist und er sich das Ganze in Ruhe anschauen möchte. Weiter eröffnet er mir, dass ich morgen Nachmittag ab 13 Uhr mit ihm zu einem Bankett eingeladen sei. Anlass ist der Besuch einer deutschen Mission, der sog. Seemannsmission, welche z.Z. auf Besuch bei ihrem Partner, der kamerunischen evangelischen Kirche ist. Mit von der Partie werden auch Lena und Hanna sein. Zuletzt komme ich noch auf meine fehlende beglaubigte Passkopie zu sprechen. Dies sei schnell geregelt, meint er und beauftragt Michel damit, mich zu den entsprechenden Ämtern zu fahren. 
Bevor wir gehen, erstellen wir hier an der Schule mit einem Farbkopierer eine farbige Kopie meines Passes, d.h. der Seite mit den Personalien und der Seite mit dem (vorerst) dreimonatigen Visum. Michel ist sowas wie der Hauswart hier, erledigt aber immer auch mal solche Dienste für den Chef. Scheinbar ist er sehr vielseitig und handwerklich geschickt. Früher hat er mal ein paar Jahre für einen Deutschen gearbeitet, was ihm fast einen Besuch in Deutschland beschert hätte. Gefehlt hätten ihm lediglich noch einige Papiere wie Ausreisebewilligungen. Dies erzählt er mir im Auto, unterwegs zum ersten Amt, wo ich die Quittung (Stempel auf der Passkopie) für die Bezahlung bekomme (1000 CFR), bevor es schliesslich zum Polizeiposten geht. Im entsprechenden Büro, mit welchem unser Principal offenbar gute Beziehungen pflegt, damit es bei seinen Anliegen auch keine grösseren Verzögerungen gibt, ist der Unterschriftsbenötigte gerade nicht da. Wir sollen jedoch Pass und Passkopie da lassen und in einer Stunde wiederkommen. Dann sei die nötige Unterschrift drauf. So geht‘s vorerst wieder zurück.
An der Schule, in der Bibliothek, helfe ich in der Zwischenzeit Makarios die ersten abgelegten Deutsch-Einstufungs-Tests zu korrigieren, was wegen der Multiple-Choice-Form schnell getan ist. Sie sind nicht gerade umwerfend beantwortet worden. Die meisten bewegten sich so im Mittelfeld.
Nachdem das mit dem zweiten Anlauf beim Polizeiposten geklappt hat und ich nun meine beglaubigte Passkopie habe, gelange ich erneut zur Bibliothek, welche sich im zweiten Stock befindet. Am anderen Ende des einen Unterrichtsgebäudes, auf demselben Stock, finde ich später den Informatikbereich, bestehend aus einem Computerraum für die Schüler und einem Büro. Hier arbeiten Cyprien, Désiré und Michel. Es sind alle drei sehr sympatische Jungs, die offfensichtlich bis zum Schulstart noch einiges an Arbeit vor sich haben, wollen sie den Computerraum bis dann auch eingerichtet haben. Ich schaue mir die Geräte etwas genauer an. Schliesslich habe ich am linguistischen Institut an der Uni Bern eine ähnliche Arbeit wie sie hier verrichtet. Das Equipement ist gar nicht so schlecht. Was dagegen auffällt ist der viele Staub und Schmutz, welcher scheinbar einfach hingenommen wird und kaum regelmässig Putzarbeiten dagegen stattfinden. Das ist aber eine generelle Eigenschaft hier in Kamerun, nicht nur an der Schule. Hier bei den Informatikgeräten ist es aber eher heikel, die Sachen zu Lange dem Staub und dem Schmutz aussetzen zu lassen. Ich bin sicher, dass regelmässiges Reinigen die Lebensdauer von einigen Geräten hier verlängern würde. Aber vielleicht ist dieses regelmässige Putzen auch eher eine Sisyphusarbeit.
Es ist noch früher Nachmittag, als Lena, Hanna und ich die Schule verlassen und gemeinsam zu Mobil Guiness fahren und dort bei Hanna und Maries Wohnung vorbeischauen. In unserem Appartement ist das Gasproblem immer noch nicht gelöst, d.h. wir haben immer noch keine Gasflasche. Noch an der Schule habe ich diesbezüglich kurz mit Makarios gesprochen. Er meinte, Michaël könne uns da bestimmt weiterhelfen. Da Michaël unweit von Hanna und Marie wohnt, rufe ich ihn einfach spontan an und frage ihn, ob er uns weiterhelfen könne. Toll, er kommt sogleich vorbei. Er schlägt uns vor, die eine Gasflasche seiner Familie zu benutzen. Mir ist dies nicht so recht, weshalb wir zuerst mal an die Hauptstrasse hoch gehen und nach einer leeren oder vollen Flasche Ausschau halten. Aber ohne Erfolg. Also doch zu seiner Familie, der Familie Tagne, wo ich seine Geschwister und seine Mutter kennenlernen darf. Es sind sehr freundliche Leute, die Kinder etwas scheu, jedoch nicht weniger interessiert und aufmerksam. Wir warten in der Stube bis das Familienoberhaupt nach Hause kommt. Als er da ist diskutieren wir auch noch das Problem des Transportes. Das einfachste wird es wohl sein, wenn Lena und ich jeweils ein Taxi bis Mobil Guiness nehmen und dann gemeinsam mit ihm und seinen beiden Töchtern in einem regelässig für uns fahrenden Taxi zur Schule gelangen. Wegen des Gases gibt Herr Tagne uns zu bedenken, dass es vor kurzem in der kamerunischen Gasraffinierie einen Unfall gegeben hätte und es deshalb einen Engpass an Gas und Flaschen gäbe. Das einfachste ist es seiner Meinung deshalb, ihre zweite Flasche zu verwenden, welche  er schon von andern Familienmitgliedern geliehen hatte, und diese mit Gas füllen zu lassen. Lena und ich willigen ein, nehmen den Heimweg in Angriff während Michaël sich mit der Flasche auf die Suche nach Gas begibt und sie dann bei uns zu Hause vorbeibringen wird.
Er hat dies ziemlich schnell erledigen können. Kaum sind Lena und ich nämlich zu Hause angekommen, da steht er auch schon vor der Tür. Wir schliessen die Flasche am Herd an und haben damit endlich alle Mittel, um Kochen zu können. Nachdem ich Michaël noch zum Tor begleitet habe beginnen wir mit unserem ersten warmen Menü: Teigwaren an einer Koriander-Tomaten-Sauce, nichts Weltbewegendes, aber dennoch ganz lecker.