Samstag, 10. September 2011

Mittwoch, 31. August 2011

Heute gelange ich das erste Mal an meine Schule, das „Collège Evangélique de New Bell“. Gemeinsam mit Lena geht es in einem Taxi (Kurzstrecke, pro Person 100 CFR, 20 Rp) zuerst bis „Mobil Guinness“. Hier trifft Hanna auf uns und zu dritt nehmen wir nochmals ein Taxi (normale Strecke, pro Person 200 CFR) bis „Photo Golden“. Hier zwischen der Hauptstrasse und der Schule ereignet sich ein sehr unangenehmes Erlebnis. Lena, welche vor mir läuft, wird plötzlich von einem an mir vorbeigehenden jungen Mann die Handtasche abgerissen. Das ganze passiert so schnell, d.h. das in Stellung bringen, Abreissen und dann Fliehen, dass wir völlig überrumpelt sind. Alle sind wir geschockt, am meisten natürlich Lena. In der Schule angekommen erzählen wir den Lehrern und Angestellten den Vorfall. Sie bedauern es sehr, erläutern dass auch die Schüler schon Opfer von solchen Diebstählen waren.  Wir müssen in Zukunft wachsamer sein, und nicht solch leicht abzureissende Taschen auf uns tragen. 
Inzwischen ist auch Makarios angekommen. Gemeinsam mit ihm geht es in die Bibliothek wo wir für ihn verschiedene Deutsch-Nivau-Tests kreieren sollen. Meine (linguistisch motivierten) Vorschläge findet er i.A. zu schwierig, er möchte eher Multiple Choise Aufgaben, mit drei Möglichkeiten, ein Wort in einen bestehenden Satz mit Lücke einzusetzen. Ich überlasse das Kreieren der Aufgaben Lena, Hanna und Makarios und begnüge mich mit dem fortlaufenden Eintippen in Makarios Laptop. Dies stellt auch gewisse Herausforderungen, zumal seine Tastatur einzelne Tasten nicht mehr erkennt. Löschen rückwärts (normales Löschen) z.B. geht nicht mehr, auch die Kommataste tut nicht mehr. Mit etwas Phantasie findet man hier aber halbwegs taugliche Workarounds.  Am Ende haben wir vier verschiedene Test in digitaler Form, so dass Makarios dann morgen diese verwenden kann.
Irgendeinmal klingelt mein Telefon, Priscille ist am Aparat. Sie ist gestern angekommen und möchten diesen Nachmittag, etwa um halb vier, an der Schule vorbeikommen.  Etwa um zwei Uhr gehen Lena und Hanna wieder. Ich verbringe die restliche Zeit mit warten. 
Kaum ist Priscille da, haben wir auch gleich die Audienz beim Rektor (principal). Er lädt uns ein auf dem Sofa Platz zu nehmen, was etwas informeller wirken soll. Priscille ist es ein Anliegen, die Bedürfnisse der Schule genau zu kennen. Sie gibt auch zu bedenken, dass von DM gesandte Lehrer immer auch die lokale Bevölkerung einer Stelle berauben. Der Rektor wiederspricht nicht, wendet aber erwartungsgemäss ein, dass für die Schule so natürlich auch Kosten gespart werden können. Und grundsätzlich begrüsst er diese Möglichkeit des Austausches und gegenseitigen Profitierens. Priscille scheint grundsätzlich skeptisch gegenüber diesem Profitieren zu sein, was sie auch offen sagt. Sie verlangt ein revidiertes Pflichtenheft für zukünftige Lehrer, welches noch mehr die Bedürfnisse der Schule berücksichtig. Zeithorizont wird auch gleich fixiert, Ende September.
Nun geht es mit ihrem Fahrer, Etienne, zu uns nach Hause, wo Lena mittlerweile schon länger angekommen ist. Priscille möchte einen kurzen Blick auf unsere Wohnung werfen können. Etienne ist ein sehr sympathischer älterer Mann, mit einer auffällig ruhigen Art. Dies drückt sich auch beim Fahren aus, was sehr angenehm ist, zumal ich in den Taxis meistens einen anderen Stil erlebe. Beide sind sie beeindruckt von der Wohnung in Ndogbong. Gemäss Priscille hat scheinbar noch kein Zivilist je so komfortabel wohnen können. Nach einigen Fotos sind wir auch schon wieder weg. Ich soll noch das CAFRAD-Zentrum kennenlernen, dort wo sie während vier Jahren gearbeitet hatte. Hier lerne ich noch Désiré und Michel kennen, neben Etienne die nächsten Freunde von ihr hier in Kamerun. Mit Désiré tausche ich die Handy-Nummer aus. Eigentlich hätte noch ein anderer Etienne zu uns stossen sollen um dann gemeinsam was Essen gehen zu können. Priscille und ich sind beide ziemlich hungrig da seit dem Morgen nichts mehr gegessen. Nach längerem Warten entschliesst sie sich, nun einfach zu viert was essen zu gehen. Der andere Etienne wird schliesslich nicht mehr auf uns treffen. Mit ihr, Etienne und Michel fahre ich zu einem Restaurant an den Hafen, direkt am Ufer. Es ist sehr einfach, man muss sich den Tisch und die Stühle selber zurecht stellen, doch es ist auch sehr ruhig und kaum beleuchtet, was ein gemütliches Ambiente gewährt. Hier wählen die anderen drei je einen Fisch aus der Gefriertruhe zum Essen aus. Für mich gibt’s einfach die Beilagen (accompagnement), konkret Miondo (Würste aus Maniok) und frittierte Kochbananen, die ich mit einer ziemlich scharfen Sauce geniesse. Als sie mich dann wieder zu Hause absetzen ist es bereits ziemlich spät, etwa 22 Uhr.